Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

haben Sie den Film "Die Flucht" gesehen?

Schon lange nicht mehr hat ein Fernsehfilm ein so breites Publikum gefunden. Warum wird ein Film, der sich mit Geschichten beschäftigt, die doch gut 60 Jahre, also zwei Generationen, zurückliegen, zu einem Straßenfeger? Warum steigt die Anzahl der Biografien und Dokumentationen zum Thema Flucht, Vertreibung und Ermordung rund um den 2. Weltkrieg? Wer schreibt diese (Dreh-) Bücher? Und warum nimmt eine ganze Nation quer durch die Generationen solchen Anteil daran?
Diejenigen, die die Zeit des Nationalsozialismus erlebt haben, sind hoch betagt oder verstorben, dennoch leben ihre Traumata in uns weiter, selbst wenn - oder gerade weil - sie nie erzählt wurden.
Diejenigen, die heute die Geschichten von damals erzählen, gehören der zweiten Generation an. Sie versuchen, die Traumata der Eltern zu bewältigen, indem sie die verbotenen Zonen, schwarzen Löcher des tabuisierten "Bösen" rund um den Schmerz und Verlust mit fassbaren Bildern füllen.

Traumata - ein Staffellauf von Generation zu Generation?

Dass und in welch gravierendem Ausmaß Traumata an die Folgegeneration weitergegeben werden, ist durch Untersuchungen an Kindern und Enkeln Holocaustüberlebender sowie Kriegstraumatisierter eindrücklich belegt. Nicht selten erfüllen diese die diagnostischen Kriterien einer PTBS, ohne selbst traumatisiert worden zu sein.
Deutschland als Täterland hinkt erneut in einem wichtigen Bereich der Traumaforschung und -therapie hinterher. Die tiefen Scham- und Schuldgefühle, angesichts dessen, dass hier nicht nur Traumata der Opfer, sondern auch die der Täter weitergegeben wurden, erschwert eine konstruktive
Auseinandersetzung mit transgenerational weitergegebenen Traumata. Wollen wir aber nicht den Staffelstab der Traumatisierung von Generation zu Generation weitergeben, müssen wir einen Weg finden, die Traumata der Verarbeitung zugänglich zu machen.

Die Therapie transgenerational weitergegebener Traumata

Im Seminar wird ein vertieftes Verständnis für transgenerational übertragene Traumata erarbeitet und vermittelt, woran wir diese erkennen können.
Der von mir entwickelte Zugang berücksichtigt die besonderen Gegebenheiten weitergegebener Traumata und ermöglicht die Prozessierung mittels EMDR. Durch Videodemonstration und supervidierte Selbsterfahrung wird dieses therapeutische Vorgehen erfahrbar gemacht, eingeübt und zu einem bereichernden Werkzeug unseres therapeutischen Arbeitens.

Mit freundlichen Grüßen

Katharina Drexler



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