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"Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe von Traumata und kollektives Gedächtnis"
Vortrag mit Oliver Schubbe am 23. Mai 2019 um 19 Uhr im Kulturschöpfer
in Berlin Friedrichshain

Erinnerungen an Flucht und Vertreibung können trennen oder verbinden. Sie können sich aufdrängen oder der Wahrnehmung entziehen. Was wir nicht wahrnehmen, kann trotzdem wirken, sich in nahen Beziehungen wiederholen oder im Körper zum Ausdruck kommen. Die zweite und dritte Generation leidet nicht mehr an Erinnerungsbildern, sondern an schwer greifbarer Unsicherheit, Verstimmungen, Schuldgefühlen, vielleicht einem Gefühl der Heimatlosigkeit oder einfach an der tiefen Verunsicherung, den wahren Ursprung ihrer Beziehungs- und Gesundheitsthemen vergessen zu haben. Das Schweigen zementiert die Gewaltverhältnisse und schützt die Täter. Schweigen erlaubt Krieg und Gewalt - einen scheinbaren Frieden zwischen Opfern und Tätern. Der Weg der Aufarbeitung verläuft spiralförmig, auf jeder neuen Ebene auf bekanntem Boden, auf dem Boden der eigenen und kollektiven Geschichte. Er thematisiert die genetischen, biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Übertragungsprozesse von Generation zu Generation. Die Erfahrung kulturübergreifender Ähnlichkeit individueller Fluchterfahrungen wird beleuchtet und diskutiert.