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Berthold Gersons, AMC de Meren, Amsterdam, Niederlande & Ulrich Schnyder, Zürich, Schweiz
Brief Eclectic Psychotherapy - Ein integrativer Ansatz zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen

Brief Eclectic Psychotherapy(BEP) ist ein integrativer Ansatz, in dem psychodynamische, kognitiv-behaviorale und direktive psycho-therapeutische Elemente vereint werden. Diese Art der Behandlung ist problemfokussiert und besteht aus 16 Sitzungen à 45 bis 60 Minuten. Diese Methode wurde erstmals entwickelt, um Polizisten mit PTBS zu behandeln. Die Wirksamkeit wurde in einer randomisierten Studie nachgewiesen, sodass dieses Therapie-Protokoll mittlerweile auch bei anderen PTBS-Patienten eingesetzt wird. Ziel der Therapie ist es, das Trauma in die persönliche Biographie zu integrieren und somit hinter sich zu lassen. BEP verläuft in 5 Phasen:

  1. Psychoedukation
  2. Imaginationsübungen
  3. Arbeit mit Erinnerungsstücken
  4. Integration in die persönliche Biographie
  5. Abschiedsritual

1. Psychoedukation

Es ist wichtig, zu Beginn den Patienten über seine PTBS-Symptome ausreichend aufzuklären. Er soll lernen, diese Symptomatik als natürliche Reaktion zu verstehen, die durch ein traumatisches Erlebnis hervorgerufen wurde und einen dysfunktionalen Zustand auslöst. Die Psychoedukation umfasst Informationen über die Ursache, den Verlauf und die psychobiologischen Prozesse einer PTBS.

2. Imagionationsübungen

Nach Entspannungsübungen erfolgt eine Exposition, in der auf Schlüsseltrauma bzw. "hot spots" fokussiert wird. Diese detaillierte Reinszenierung des traumatischen Erlebnisses in allen sensorischen Modalitäten verläuft innerhalb von vier bis sechs Sitzungen zu jeweils 20 Minuten. In diesen 20 Minuten werden immer nur einzelne Teile des Traumas imaginiert. Ziel dieser Imagionationsäbungen im Hier und Jetzt ist die Katharsis traumabezogener Gefühle. In dieser Phase dürfen keine psychodynamischen Interpretationen vorgenommen werden.

3. Arbeit mit Erinnerungsstücken

Der Patient wird gebeten, einen "Fortsetzungsbrief" an eine Person oder Organisation zu schreiben, die in negativer Weise mit dem Trauma zu tun hatte, z.B. bei Gewalttaten einen Brief an den Täter. Diese schriftliche Aufgabe dient der Förderung und Bearbeitung schwieriger, aggressiver Gefühle. Die Patienten sollen ihre Gefühle täglich 30 Minuten lang in einem Notizblock festhalten. Der Brief wird nicht abgeschickt.

Zusätzlich können Erinnerungsobjekte mit konkreter oder symbolischer Beziehung zum Trauma in die Therapiesitzung mitgebracht und besprochen werden. Das können z. B. Kleidungsstücke, Fotos oder Zeitungsartikel sein.

4. Integration in die persönliche Biographie

Im zweiten Teil der Behandlung geht es um die Bearbeitung existentieller Fragen: Wie sieht der Patient sich und die Welt und wie kann er sich wieder in die normale Welt integrieren? Bedeutungszuschreibung und Sinnfindung stehen hier im Vordergrund. Es findet keine Bearbeitung unbewusster Konflikte statt und die Übertragungsarbeit passiert nur implizit. Die erwünschte Integration der traumatischen Erfahrung in die Biographie wird durch den Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit und Hilflosigkeit gefördert. Zusätzlich wird die Zukunft aktiv mit einbezogen und gestaltet.

5. Abschiedsritual

Die Therapie wird mit einem Abschiedsritual beendet, in dem der Brief und andere Erinnerungsstücke vernichtet werden. Es geht nicht darum, dass der Patient vergisst, sondern die Vergangenheit hinter sich lassen soll, um sich der Zukunft zuwenden zu können. Dieses abschließende Ritual hat einen feierlichen und symbolischen Charakter und wird mit positiv empfundenen Aktivitäten verbunden, wie z.B. Spaziergang, Lagerfeuer oder Festmahl.

Besonders entscheidend für diese Therapie ist eine gute Beziehung zwischen Patient und Therapeut. Jede professionelle psychosoziale Intervention erfordert eine klare und reflektierte therapeutische Haltung.



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