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Ulrich Sachsse, NLKH Göttingen, Deutschland
Distress-Systeme und Konsequenzen für die PTBS- Therapiestrategie

Das Paniksystem wird immer aktiviert, wenn sich ein Lebewesen mutterseelenallein in der Fremde befindet. Dann werden Tiere und Menschen hilfesuchende Schreie ausstoßen, sogenannte Distress Vocalisations. Allein das Klangmuster und die Frequenz verursachen Stress. Die Nähe der Mutter ist gut für das Distress-System, ebenso wenn sie gefühlvoll auf das Schreien reagiert, denn das beruhigt das Paniksystem (Wärme, Körperkontakt, Berührung - in den Arm nehmen und festhalten, Opiate).

Folgende Hirnzentren sind an der Regulation beteiligt: Formatio reticularis, PAG, Limbisches System, Laterales Septum - dort befindet sich das attachment-System und der Gyrus cinguli.

Wenn die Herde zu weit weg ist oder das Raubtier stärker und näher als die Mutter ist, kommt es zu einem anderen Phänomen der "Freeze"- Reaktion (Luft anhalten, ganz flach hinlegen, erstarren).

Panikattacke vs Dissoziation
Todesangst +
Muskelstarre +
Herzrasen +
Sprachlähmung
Aufmerksamkeitsentzug nach außen und innen
Abschalten in beide Richtungen
kein attachment innen und außen

Das Fluchtsystem

Kampf oder Flucht - Angreifen oder in Sicherheit bringen, mit der Konsequenz, dass alle zur Verfügung stehenden Problemlöseressourcen aktiviert werden. Beruhigung nach siegreichem Kampf, bei Flucht nach erfolgreichem Entkommen, der richtigen Problemlösestrategie, bei Selbstbelohnung und Lernen.

Die folgende Hirnzentren sind daran beteiligt: Formatio reticularis, Locus coeruleus, Limbisches System, Amygdala, Präfrontaler Cortex. Wenn die HHN-Achse - Stress-Achse aktiviert wird, interagieren Panik- und Fluchtsystem. Das Flucht-System beruhigt Panik-Bindungssystem.

Für die Therapie ist es sehr wichtig, dass auf das Bindungssystem eingegangen wird. Das Bindungssystem beruhigt das Paniksystem. Das Bindungssystem ist das wichtigste System zur Bewältigung eines Traumas. Dazu gehören Nähe und Sicherheit in sozialer Gemeinschaft, sicherer Schlaf und die Möglichkeiten des kommunikativen Austausches in der Umgebung ("Das muss jetzt raus"). "Alles ist wie vorher (in der Umgebung, Tageszeiten, Verhalten der Mitmenschen) - nichts ist, wie es war (Konfusion des kognitiven und emotionalen Systems)".

Anti-Panikelemente können durch Imagination und durch die Arbeit mit dem inneren Kind stabilisiert werde. Anti-Flucht-Elemente werden in der Traumaexposition und durch Traumasynthese mittels EMDR und der Screentechnik etabliert.



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